3 Tage - 9 Veranstaltungen mit u. a. Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz | S. E. Sergej J. Netschajew, Botschafter der Russischen Föderation | S. E. Rüdiger von Fritsch, Deutscher Botschafter in Russland | Prof. Dr. Klaus Mangold, Vorsitzender des Aufsichtsrates der TUI AG | Reiner Calmund, Fußballexptere | Matthias Platzeck, Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Russischen Forum e. V. | 35 Russlandexperten aus Politik und Wirtschaft

Grußwort von S. E. Sergej J. Netschajew, Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland

Ich grüße alle Teilnehmer der 16. Internationalen Begegnungswoche der IHK Ostwestfalen.
Die Auswahl Russlands als Gastland ist ein Gebot der Stunde. Die Zusammenarbeit insbesondere im Handels- und Wirtschaftsbereich spielt eine immense Rolle in den Beziehungen unserer Länder.

Der bilaterale Handel zwischen Russland und Deutschland, der von 80 Mrd. Euro 2012 auf 48 Mrd. 2016 schrumpfte, wies 2017 wieder eine positive Entwicklung auf und stieg um 19,3 Prozent auf 57,2 Mrd. Euro. Auch der Handel Russlands mit Nordrhein-Westfalen folgt diesem Trend. 2017 stiegen die Exporte aus NRW nach Russland um 17,2 Prozent auf 3,6 Mrd. Euro, die russischen Importe nach NRW verzeichneten ein Rekordplus von 44,3 Prozent auf 5,2 Mrd. Euro. Damit ist NRW einer der zentralen regionalen Partner in Deutschland, auf den etwa ein Drittel des gesamten deutsch-russischen Handels entfällt.

2017 ist es der russischen Wirtschaft gelungen, die Rezession zu überwinden. Es wird erwartet, dass sich der positive Trend fortsetzt und ein Wachstum von 2 Prozent 2018 und 3-3,5 Prozent 2020 ermöglicht. In seiner Rede zur Lage der Nation umriss Präsident Putin ein groß angelegtes Programm der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung mit Fokus auf die Anhebung des Wohlstands der Bevölkerung. Priorität hat dabei u.a. die Anwerbung ausländischer Investoren. Zu den Instrumenten gehört hier der sog. „Sonderinvestitionsvertrag“, der ausländische Investoren bei Lokalisierung der Produktion nationalen Herstellern gleichstellt. Dies trug dazu bei, dass im ersten Halbjahr 2017 die deutschen Direktinvestitionen über 400 Mio. US-Dollar betrugen, fast doppelt so viel als 2016.

Doch Russland und NRW verbindet auch ein historisch-kulturelles Verhältnis. Hier wohnen über 500.000 Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion und über 190.000 russische Staatsbürger, darunter Künstler und Wissenschaftler. Mehr als 10.000 Schüler in NRW lernen Russisch. Ein intensiver Austausch besteht zudem auf kommunaler Ebene. 24 Städtepartnerschaften und 70 gesellschaftliche Organisationen sprechen für sich; in Düsseldorf befinden sich das Honorarkonsulat und die Vertretung der Russisch Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats.

Ich bin zuversichtlich, dass diese Begegnungswoche einen weiteren Beitrag zum Ausbau der deutsch-russischen Beziehungen leisten wird. Das Potential ist immens.

S. E. Sergej J. Netschajew
Botschafter der Russischen Föderation
in der Bundesrepublik Deutschaland 

 

 

Grußwort von S. E. Rüdiger von Fritsch, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Russischen Föderation

Russland übt seit jeher eine große Anziehungskraft auf deutsche Unternehmen aus. Seit der Öffnung des russischen Marktes vor mehr als 25 Jahren haben wir eine rasante Entwicklung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen erlebt, die sich in den zurückliegenden Jahren der Rezession in Russland zwar etwas verlangsamt hat, aber nicht abgebrochen ist. Zurzeit zeigen die Zeichen wieder aufwärts.

Die Bilanz unseres Wirtschaftsengagements in Russland kann sich sehen lassen: Rund 5.000 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung sind in Russland vertreten und generieren mehr als 50 Mrd. US-Dollar Umsatz. Sie sorgen für etwa 270.000 Arbeitsplätze im Land. Seit 2017 steigen auch die Direktinvestitionen aus Deutschland wieder deutlich an. Das spricht für die Zuversicht und das Vertrauen der deutschen Unternehmen in das Potential des russischen Marktes. Deutsche Unternehmen zeigen große Bereitschaft, auch ihre Produktion zu lokalisieren, wenn die russische Wirtschaftspolitik die richtigen Bedingungen schafft. Sie leisten einen wichtigen Beitrag auf Russlands Weg, die Wertschöpfung im eigenen Land zu steigern und die eigene Wirtschaft zu modernisieren und zu diversifizieren. Klar ist aber auch, dass dies nicht unter Zwang oder mit problematischen industriepolitischen Mitteln geschehen kann. Hierfür setzt sich auch die deutsche Botschaft in Moskau ein.

Gleichsam sind auch russische Unternehmen in Deutschland zunehmend aktiv. Startups, Digitalisierung und Industrie 4.0. stehen exemplarisch für vielversprechende Felder unserer Kooperation.

Auch wenn eine Lösung des Konfliktes um die Ukraine die Voraussetzung für eine Normalisierung der deutsch-russischen Beziehungen bleibt, wollen wir unseren Dialog weiter vorantragen. Die internationale Begegnungswoche der IHK Ostwestfalen trägt dazu ebenso bei, wie die wertvollen deutsch-russischen Städtepartnerschaften und die zivilgesellschaftlichen Dialoge, die sich als unverzichtbarer Baustein deutsch-russischer Beziehungen erwiesen haben. Sie helfen uns, das deutsch-russische Verhältnis, auf dem so viel Erwartung und Verantwortung ruht, in eine gute Zukunft zu tragen. Ich wünsche der Veranstaltung daher von Herzen viel Erfolg.

S.E. Rüdiger von Fritsch
Botschafter der Bundesrepublik Deutschland
in der Russischen Föderation

 

 

Grußwort von Wolf D. Meier-Scheuven, Präsident der IHK Ostwestfalen

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland waren schon mal besser, politischwie wirtschaftlich. Aktivitäten Russlands in den letzten Jahren und die dadurch ausgelösten politischen Differenzen mündeten in EU-Sanktionen, die ihrerseits den deutsch-russischen Handel seit 2014 stark belastet haben.

Aber Russland als größtes Land der Erde mit circa 150 Millionen Menschen und enormen Rohstoffreserven verfügt über ein großes Potential für die deutsche und die ostwestfälische Wirtschaft. So stiegen im letzten Jahr trotz aller Schwierigkeiten die Exporte auf 26 Milliarden Euro und die Importe auf 31 Milliarden Euro wieder an. Dies ist als hoff-nungsvolles Zeichen in einer ansonsten unruhigen Zeit zu werten.

Die16. IHK-Begegnungswoche „Ostwestfalen meets Russia“ wird die vielschichtigen Facetten des Russlandgeschäfts thematisieren. Sie wird Hinweise für wirtschaftliche Möglichkeiten und Grenzen geben. Sie wird aber auch die historischen, kulturellen und mentalen Besonderheiten beleuchten. So, wie Sie es von der IHK-Begegnungswoche kennen. Eine umfassende Plattform für Informationen, Austausch und Kontakte.

Ich lade Sie herzlich ein, an den Veranstaltungen in Ostwestfalen teilzunehmen. Lassen Sie sich informieren, sammeln Sie Anregungen und Ideen für Ihre Geschäfte in und mit Russland.

Wolf D. Meier-Scheuven
Präsident der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld